Vor einiger Zeit konnte ich eine BR 91 in DB, Epoche 3-Version übernehmen. Die Bilder im Internet ließen ein Modell erwarten, das in einem – für sein Alter – ganz ordentlichen Zustand war:

Das bestätigte sich, als die Lok bei mir eintraf. Einige exponierte Teile waren etwas abgegriffen und an einer Tür war eine Griffstange mit Halter abgeknickt. Die Laufeigenschaften waren ok. Zunächst lief sie etwas unrund, aber nach Abschmieren aller beweglichen Teile waren die Laufeigenschaften sehr gut: gleichmäßig und fast lautlos.
So entschloss ich mich, die Lok auf Digitalbetrieb umzubauen, einschließlich Powerbaustein. Denn bei nur 4 stromabnehmenden Rädern ist solch ein Speicherbaustein angebracht. Ausserdem sollte sie mit Sound sein, wobei der radsynchrone Dampfstoß über einen Kontaktgeber mit Hall-Sensor aktiviert werden sollte, da die entsprechende Dekoder-Einstellung ohne Kontaktgeber sehr umständlich und eigentlich nie so richtig zufriedenstellend ist.

Neue Beleuchtung

Zunächst wird der Kessel mit Führerhaus sowie die beiden Wasserkästen vom Fahrgestell abgeschraubt. Da der Beleuchtungsbaustein zur Ansteuerung der Mini-Glühbirnen unerreichbar im Kohlekasten verbaut war, beschloss ich, statt der Birnen SMD-LEDs einzubauen. Diese müssen für den Einbau vorbereitet werden:
Dazu fädele ich die beiden haardünnen Anschlussdrähte durch ein Stückchen Isolierung einer 0,14er Litze. Vorher wurde diese im oberen Bereich zur Aufnahme der LED halbiert. Unten wird ein Stück dickere Isolierung aufgesteckt, die für Passsitz im Lampenkörper sorgt. Mit einem Hauch Sekundenkleber werden die einzelnen Bauteile verbunden und nach einer Funktionsprobe eingebaut.

Zur Verdeutlichung ein Bild:

Beim Anschluss unbedingt Vorwiderstände verwenden, sonst sind die LEDs sofort kaputt. Ich nehme 2 kOhm-Widerstände. Diese werden in die kürzere Anschlussleitung der LED eingesetzt. Das ist – wie bei allen LEDs – der Minuspol (Kathode). Der längere Anschluss (Anode) kommt an die gemeinsame Plus-Leitung des Dekoders. Zum Schutz der sehr dünnen Leitungen werden diese gemeinsam durch einen Schrumpfschlauch geführt.

Dekodereinbau

Im vorderen Teil des Lokrahmens ist reichlich Platz für die Unterbringung des Dekoders. Wenn ich einen Dekoder mit Anschlußkabeln verwende, dann müssen daran vom Kontaktgeber und vom Powerbaustein insgesamt 6 Kabel zusätzlich angelötet werden. Das ist immer etwas heikel. Da in der BR 91 reichlich Platz ist, habe ich einen Dekoder mit 21-poliger Schnittstelle und dazu eine Adapterplatine eingebaut.
An die Adapterplatine werden 14 von 15 Kabeln, die an den Dekoder müssen, angelötet.

Lediglich 1 Leitung vom Powermodul wird noch direkt an den Dekoder gelötet. Diese ist mit einem Ministecker trennbar, sodaß der teure und empfindliche Dekoder erst eingesteckt wird, wenn die Verkabelung der Lok abgeschlossen ist.

Verkabelung

4 Leitungen werden an mehreren Stellen angeschlossen: GND (Masse), gemeinsamer Plus-Pol, Licht vorne und Licht hinten. Für diese 4 Leitungen habe ich eine kleine Verteilerplatine eingesetzt, auf die alle abgehenden Kabel gelötet werden.

Leider unscharf: Links die Steckplatine; die Lötanschlüsse sind auf der Unterseite. Rechts die 4 Leiterbahnen zur Verteilung der Anschlüsse.

Insgesamt 6 Leitungen müssen nach oben, zum Kessel und Führerhaus, geführt werden:
2x Lautsprecheranschluss, Licht vorne, Licht hinten, Führerhausbeleuchtung und gemeinsamer Pluspol. Diese 6 Leitungen werden in den Bereich der beiden Wasserkästen gelegt und mit Miniatursteckern versehen.

Dekoder und Powermodul sind eingebaut. Von links kommen die Kabel der vorderen Laternen. Oben und unten die Leitungen in die Wasserkästen.

Hier ein Blick in den hinteren Teil des Rahmens: Man erkennt die hauchdünnen Drähte von den Lampen, die im linken Werkzeugkasten zusammengeführt und mit Widerständen versehen werden. Blau ist der gemeinsame Plus-Leiter und gelb der Anschluß am Dekoder für Beleuchtung hinten. An der 3. Kuppelachse sieht man den Kontaktgeber für den Hall-Sensor.

Endmontage

In den unteren Bereich des Kessels, der später von den Wasserkästen verdeckt wird, wird auf beiden Seiten ein Loch zur Kabeldurchführung gebohrt: auf einer Seite für die beiden Lautsprecherkabel, auf der anderen für das vordere Spitzenlicht. Die Leitungen für das hintere Spitzenlicht und die Führerhausbeleuchtung werden durch das Führerhaus verlegt und kommen durch ein Loch in der Führerhausvorderwand ebenfalls im Wasserkasten aus.

Der runde Lautsprecher sitzt – den kompletten Kesseldurchmesser ausfüllend – in seiner Schallkapsel vor dem Motor. Unter die Decke des Führerhauses wird eine Befestigung für die SMD-LED zur Beleuchtung des Führerhauses eingeklebt.

Unscharf rechts die Halterung für die Führerhausbeleuchtung; links erkennt man die Leitungsführung.

Damit sind Verdrahtungsarbeiten abgeschlossen. Nun noch etwas Kosmetik.

Feinarbeit

Eine Griffstange an der Tür zum Führerhaus war abgeknickt. Da sie gebrochen war, musste Ersatz her. Die Griffstangen an den Türen sind durch die Köpfe von kleinen Splinten als Halter geführt. Zum Glück kann ich auf ein gut sortiertes Ersatzteillager von Märklin zugreifen. Da habe ich 2 von der Größe her passende Splinte gefunden. Die Befestigungslöcher werden aufgebohrt und die neuen Splinte mit der wiederverwendeten Griffstange eingeklebt.
Wie eingangs beschrieben, hat im Laufe der Jahre die Lackierung an einigen exponiert angebrachten Details gelitten und wurde – ebenso wie die erneuerte Griffstange – mit verdünntem Revell-schwarz, seidenmatt, nachlackiert.
Abschließend wurden noch weiße Puffertellerringe angebracht und die Elektrodosendeckel gelb lackiert.

Die BR 91 ist jetzt ein schönes, zeitgemäßes Modell mit Digitaldekoder und Sound, der man die Jahre nicht mehr ansieht.