Da es nach wie vor keinen Gleisstaubsauger für Spur 0 gibt, habe ich 2012 selbst einen gebaut.

Nur weil in 0 alles doppelt so groß ist wie in H0, muss ja nicht auch der Staub doppelt so schwer sein. Aber mindestens doppelt so viel. Und dafür nimmt man halt 2 H0-Sauger.

Da der Eigenbau-Schienenstaubsauger ein Selbstfahrer werden sollte, habe ich als Basis dafür eine gebrauchte RIVAROSSI V 160 besorgt.

Das Staubsaugermodul

Als erstes werden 2 LUX-H0-Staubsauger komplett zerlegt, bis nur noch das Chassis mit Motor und dem Turbinenrad übrig sind. Anschlüsse zwischen Motor und Elektronik-Platine notieren (fotografieren) – bei falscher Montage bläst er statt zu saugen.

Ausgehend von der vorgegebenen Gesamtbreite von 60mm werden die Chassis so beschnitten, dass gegeneinander gesetzt das Maß erreicht wird. Darauf achten, dass die quadratischen Blöcke mit den Motoren nicht beschädigt werden!

An der Unterseite muss auf jeder Seite eine Klammer zur Fixierung des Bürsteneinsatzes stehen bleiben.

Nachdem beide Teile angepasst sind, werden sie mittels einer Verbindungsplatte auf der Unterseite verklebt, alle weiteren Spalten und Ritze werden mit Stabilit Express gefüllt.
Nach dem Aushärten werden alle Klebestellen glatt geschliffen/geschabt.

Als zusätzliche Versteifung wird auf der Innenseite der Boden mit einer zugeschnittenen Trägerkarte für einen Handy-Chip beklebt. Vorher die Klebeseite abschleifen, da die Karte mit einer Beschichtung versehen ist, die sogar Aceton abperlen lässt.
Jetzt werden die beiden Staub-Auffangbehälter so zugeschnitten, dass sie in die vorgesehenen Führungen am Chassis passen – soweit die noch vorhanden sind.

Beide Behälter werden mit dem Unterteil verklebt und zusätzlich eine dünne Folie zugeschnitten und innen auf den Boden geklebt. Das ergibt eine glatte Oberfläche und schließt vorhandene Spalten und Löcher.
Das ganze Teil ist nun ein ziemlich massiver und stabiler Block.

Anschließend werden die noch offenen Seiten mit zugeschnittenen Polystyrol-Platten geschlossen.

Als letztes wird an beiden Dachaufsätzen mit den feinen Filtereinsätzen je eine schräge Fläche abgeschnitten. Beide Dachteile werden mit einem passend zugeschnittenen Polystyrol-Streifen verbunden.

Wenn bei allen Arbeitsschritten immer wieder die Passgenauigkeit überprüft wird, sitzt das neue Dach trotz der komplizierten Form perfekt und dichtet den Staubfangbehälter rundum ab. Es ist stabil genug, um regelmäßig abgenommen und entleert werden zu können.

Damit ist das Staubsaugermodul fertig.

Der Rahmen

Die RIVAROSSI-Lok wird komplett zerlegt. Da der Platz zwischen den Drehgestellen nicht ausreicht für das Staubsaugermodul muss der Rahmen verlängert werden.

Deshalb wird der Lokrahmen direkt hinter den Aussparungen für den Drehbereich der Drehgestelle zersägt. Das Mittelteil wird nicht mehr benötigt.

Die 4 zylindrischen Zapfen über den Drehgestellen werden abgeschnitten. Die frei gewordenen Flächen werden zur Unterbringung der Staubsaugerelektronik benötigt.

2 Messing L-Profile 10 x 6 mm werden auf der Innenseite des Rivarossi-Rahmens angeschraubt. Der kurze Schenkel des L-Profils zeigt nach außen. Von Aussenkante zu Aussenkante gemessen ist das Fahrzeug nun 71 mm breit. In den freien Platz passt das Saugmodul nach Abschleifen der senkrechten Rippen so genau, dass es eigentlich nicht weiter befestigt werden müsste. Trotzdem wird auch das Saugmodul mit 2 Schrauben auf jeder Seite mit den Messing-Trägern verbunden.

Das Motordrehgestell

Die Drehgestellblende wird nicht benötigt und entfernt. Sie stört beim Reinigen der Räder.
Der Motor wird von der direkten Verbindung zu den Radschleifern sowie von Entstördrosseln und Kondensator(?) befreit. Ein orangefarbenes und ein graues Kabel für den Dekoderanschluß werden angelötet. Außerdem werden ein schwarzes und ein rotes Kabel an die Stromabnehmer gelötet. Alle 4 Kabel werden nach außen geführt.

Das antriebslose Drehgestell

Aus 4 Achsschleifern von Fleischmann-Innenbeleuchtungen werden Radschleifer, die am Drehgestell-Chassis angeschraubt werden. Je 1 schwarzes und rotes Kabel werden angelötet und nach außen geführt.
Anders als beim Antriebsdrehgestell werden hier die Achsen mit Zapfen in Messingbuchsen im Drehgestellrahmen geführt. Deshalb kann der Rahmen nicht entfernt werden. Lediglich der hintere Teil des Rahmens wird gekappt, da er an das Saugmodul anstößt. Die beiden Hälften des Rahmens werden wieder ans Drehgestell geklebt.

Endmontage

Die Drehgestelle werden wieder in den Rahmen montiert. Alle Kabel werden auf einen Lötverteiler an der Vorderseite geführt und dort angelötet. Die beiden Staubsauger-Anschlüsse werden zusammengelegt und ein Pol direkt mit dem schwarzen Kabel von den Radstromabnehmern verbunden. Der zweite Pol wird über ein Relais mit dem roten Kabel von den Radstromabnehmern verbunden.
Das Relais selbst wird über einen Funktionsausgang des Dekoders ein- und ausgeschaltet. Diese Schaltung hat den Vorteil, dass die Staubsaugermotoren mit höchster Drehzahl laufen, das Fahrzeug selbst aber ganz langsam fahren kann.

Damit ist der Spur-0-Gleisstaubsauger einsatzbereit. Bei längerem Betrieb wird die Vorschaltelektronik der Saugmotoren ziemlich warm, aber erstens ist sie auf einen Kühlkörper montiert und zweitens reichen 1 – 2 Runden Saugfahrt, um den vorhandenen Staub aufzunehmen.

Fazit

Der finanzielle und zeitliche Aufwand hat sich gelohnt. Nun kommt nach längerer Betriebspause immer zuerst der Staubsauger zum Einsatz. Dann setzt sich der Staub nicht an die Räder der Fahrzeuge und führt so über kurz oder lang zu stockendem Lauf wegen mangelhaften Kontakt. Ausserdem kommt der Staubsauger auch dahin, wo ich mit dem Haushaltsstaubsauger nicht oder nur mit halsbrecherichen Verrenkungen hinkomme.